Höheres Schmerzensgeld wegen zögerlichen Regulierungsverhaltens der Versicherung

Die Geschädigte (66 J.) war bei einem von ihr unverschuldeten Verkehrsunfall sehr schwer verletzt worden. U.a. erlitt sie ein Schädel-Hirn-Trauma mit intrakranieller Blutung, nicht dislozierte Dens-Fraktur, Effendi-II-Fraktur, Thoraxkontusion, Beckenschaufelfraktur links. Zur Behandlung war ein einmonatiger stationärer Aufenthalt im Krankenhaus notwendig, es folgten umfangreiche Rehamaßnahmen. Als Dauerfolge der Verletzungen wurden u.a. armbetonte Halbseitenlähmung rechts; erhebliche Hirnleistungsdefekte und kognitive Leistungseinbußen, Gedächtnisdefizite, psychomotorische Verlangsamung, bleibendes Angewiesensein auf die Hilfe Dritter, grundlegende Antriebslosigkeit diagnostiziert.

Das OLG Sachsen-Anhalt stand der Geschädigten einen Schmerzensgeldanspruch i.H.v. 150.000,– Euro zu. Bei der Bemessung der Höhe des Schmerzensgeldes sah das Gericht das zögerliche Regulierungsverhalten der beklagten Versicherung als Grundlage für einen erheblichen Schmerzensgeldaufschlag als gerechtfertigt an und verwies dabei auf bereits gleichlautende Entscheidungen diverser Oberlandesgerichte.

Fazit: Leisten Versicherungen trotz Aufforderung nicht rechtzeitig, kann eine Erhöhung des Schmerzensgeldbetrages allein wegen der Verzögerung in Betracht kommen.

Oberlandesgericht des Landes Sachsen-Anhalt, Urteil v. 10. Juli 2014 zum Az.: 2 U 101/13

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